Ein Mann, der einem Gespräch bei Clubhouse zuhört.

Clubhouse: Gehypte App verstößt gegen EU-Datenschutz-Regeln

Vor 14 Tagen war in Deutschland ein Clubhaus noch ein Treffpunkt für Vereinssportler. Seit einigen Wochen spricht man vom Clubhouse – die Podcast-App vom Hersteller Alpha Exploration aus dem Silicon Valley erobert gerade Deutschland. Und schon jetzt schlagen Datenschutz-Interessierte beim Blick auf die Clubhouse-Nutzung Alarm.

Was macht die App?

Die App ist das Gegenteil von Instagram und TikTok. Bilder, vom Profilbild mal abgesehen, gibt es nicht, Text auch nicht. Man spricht und diskutiert.

Auf Clubhouse kann jedes Mitglied der Community Räume betreten, Räume selbst öffnen und zu allen möglichen Themen diskutieren. Das Ganze läuft ausschließlich über Audio. Es gibt Moderatoren, Sprecher und Zuhörer. Wer auf die Bühne – also sprechen – will, muss sich durch ein digitales Handzeichen melden und wird dann von einem Moderator auf die Bühne gebracht.

Über Suchfunktionen und Kalender kann man Räume und Themen suchen. Die App ist aktuell noch in der Entwicklungsphase. Wir können also davon ausgehen, dass sich technisch dort in den nächsten Monaten noch einiges entwickelt.

Wer kann die App nutzen?

Aktuell benötigen Sie ein iPhone und eine Einladung oder einen Kontakt, der Clubhouse bereits nutzt. Dieser akkreditiert Sie, nach dem Sie sich angemeldet haben. Man muss also zwei Hürden nehmen. Zudem läuft die App ausschließlich über Audio. Hörgeschädigte sind also auch außen vor. Und wer Sprachnachrichten meidet, wird sich vermutlich auch nicht mit Clubhouse anfreunden.

Was macht die App gerade so attraktiv in Deutschland?

Die App ist neu und viele probieren sie aus. Es herrscht daher ein bisschen Eroberungsstimmung. Da der Nutzerkreis aber noch nicht so groß ist, hat man gerade auch noch die Chance, mit Leuten auf der Clubhouse-Bühne zu stehen und vor Publikum zu diskutieren, die man sonst nur aus Presse und Fernsehen kennt.

Wie lange der Zustand noch anhält? Schwer zu sagen. Vielleicht spricht in einem halben Jahr keiner mehr von Clubhouse, vielleicht entwickelt sich ein ganz neues Format als Ergänzung zu den klassischen sozialen Plattformen, die primär über Bilder und Videos funktionieren. Da die App ganz neu auf dem Markt ist und kostenfrei genutzt wird, kommt jedoch eine für den Datenschutz wichtige Frage auf: Wie verdient die Firma, die Clubhouse entwickelt hat, ihr Geld? Ich verrate es Ihnen.

Mit Ihren Daten.

Was ist mit dem Datenschutz und der Privatsphäre der Clubhouse-Nutzer?

Wir wären nicht in Deutschland, wenn das Thema Datenschutz bei einer neuen, attraktiven Plattform wie Clubhouse nicht sofort in den Mittelpunkt rücken würde. So hat es auch bei Clubhouse nur ein paar Tage gedauert, bis der Bundesdatenschutzbeauftragte Kleber vor der Nutzung warnte. Verschiedene Zeitungen veröffentlichten in den vergangenen Tagen kritische Artikel.

Von der betrieblichen Nutzung der App ist dringend abzuraten

Kommen wir zuerst zur betrieblichen Nutzung. Hier schiebt die Datenschutz-Grundverordnung Clubhouse direkt einen Riegel vor. Es greifen die gleichen Kritikpunkte wie bei WhatsApp. Die App möchte auf Ihre Kontakte zugreifen. Sie können die Funktion zwar ausschalten, dann aber die App nur eingeschränkt nutzen. Früher oder später werden Sie dem zustimmen.

Das Kontaktbuch wird ausgelesen und die Daten in die USA übertragen. Dafür fehlt die Rechtsgrundlage. Ihnen wird angezeigt, wer von Ihren Kontakten schon bei Clubhouse aktiv ist. Das wäre nicht tragisch. Sie sehen aber auch, wer von Ihren Kontakten nicht bei Clubhouse aktiv ist und wie viele Kontakte, die bei Clubhouse aktiv sind, diesen Kontakt auch in ihrem Kontaktbuch stehen haben.

Ob die Audiodaten in den USA gespeichert werden, welchen Metadaten verarbeitet werden und wie mit den Daten aus dem Kontaktbuch verfahren wird, ist völlig intransparent.

Aufgrund dieses zweifelhaften Umgangs mit dem Datenschutz scheidet momentan eine betriebliche Nutzung von Clubhouse aus. Auch die Gewerkschaften sehen die Nutzung dieser App für Beschäftigte sehr kritisch. Vermutlich wird also auch der Betriebsrat nicht zustimmen.

Privatsphäre – Wie steht Clubhouse zum Datenschutz? Wie kann ich meine  persönlichen Daten schützen?

Wenn ich mich privat im Internet bewege, gilt die DSGVO nicht. Sie können Clubhouse also trotz der Datenschutz-Bedenken als Privatperson ganz normal nutzen. Aber bedenken Sie: auch Ihre privaten Daten sind schützenswert. Davon gehe ich zumindest einmal aus. Informieren Sie sich also genau, was mit Ihren Daten passiert und was Sie preisgeben. Denn Sie wissen nicht, was der App-Anbieter jetzt oder später verkauft oder mit anderen, bereits erhobenen Daten zusammenführt.

Zudem wäre es nur fair, dass Sie Ihre Kontakte, auch wenn sie ausschließlich privat sind, nicht einfach weitergeben. Dafür gibt es auch technische Möglichkeiten. Sie können den Zugriff auf Ihr Kontaktbuch zulassen und trotzdem keine Daten senden, indem Sie die App SecureContact nutzen. Alle Kontakte, die Sie dort gespeichert haben, sind vor dem Zugriff von Apps geschützt. Das funktioniert auch mit WhatsApp.

Wichtig: Bitte verbinden Sie weder Twitter noch Instagram oder andere Dienste mit Clubhouse – das gilt auch andersrum und grundsätzlich für alle sozialen Medien.

Falls Sie jetzt denken: „Ja, dann nutze ich SecureContact für alle geschäftlichen Kontakte und kann die App dann DSGVO-konform einsetzen.“ Das funktioniert nicht, denn für den Datentransfer in die USA (der Audiodaten) haben Sie immer noch keine Rechtsgrundlage.

Und noch ein Tipp: Bei meinem App-Test habe ich gesehen, dass viele User eine ausführliche geschäftliche Biografie angeben. Ich weiß nicht, ob das so schlau ist, wenn ich doch eigentlich privat dort unterwegs bin. Zumindest vom Eintragen von Firmennamen und Kontakten würde ich abraten.

Fazit: Ob sich Clubhouse etabliert, werden die nächsten Monate zeigen – beim Datenschutz besteht klarer Nachholbedarf

Ich finde die App gut. Es ist ein neues Format. Man muss liefern auf der Bühne und zumindest momentan ist dort noch alles neu und man vernetzt sich schnell mit vielen Leuten. Auch mit bekannten TV-Gesichtern und Journalisten.

Doch vor allem beim Datenschutz in Clubhouse gilt es, die Augen offen zu halten. Und was Ihre Privatsphäre betrifft, lässt sich die App mit WhatsApp vergleichen. Sie müssen selbst entscheiden, ob Ihnen Ihre Datenpreisgabe an das amerikanische Start-Up die Nutzung wert ist – oder nicht. Wenn Sie für sich entscheiden, dass die App uninteressant ist, löschen Sie sie wieder. Das Löschen Ihres Accounts ist aktuell jedoch noch schwierig und ein berechtigter Kritikpunkt von Datenschützern. Sie müssen eine E-Mail an den Hersteller senden, damit Ihr Profil gelöscht wird. Hier erkennen Sie, dass der Datenschutz bei Clubhouse bzw. Alpha Exploration keinen hohen Stellenwert hat.

Wenn Sie schon jahrelang auf eine solche App gewartet haben, nutzen Sie sie. Aber bitte bewusst. Mit SecureContact und im privaten Kontext. Melden Sie sich nie über ein Social-Konto an, sondern immer direkt.

datenschutz, DSGVO, Social Media

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